Wer an einem Golf 8, einem ID.3 oder einem aktuellen Audi codieren möchte, bekommt in VCDS häufig den Hinweis, dass das Steuergerät geschützt ist. Der Grund heißt SFD: Bei VW und den anderen Marken des Konzerns sperrt der „Schutz der Fahrzeugdiagnose“ schreibende Zugriffe auf Steuergeräte. Seit einigen Modelljahren kommt mit SFD2 eine zweite Stufe hinzu, die auf den UNECE-Regelungen R155 und R156 aufbaut. Dieser Beitrag erklärt, was hinter beiden steckt, woran Sie betroffene Fahrzeuge erkennen und was Sie für die Freischaltung mit VCDS brauchen.
SFD bei VW: Was der Schutz der Fahrzeugdiagnose ist
SFD ist eine Sicherheitsfunktion des Volkswagen-Konzerns, die Ende 2019 mit dem Golf 8 auf der MQB-Evo-Plattform eingeführt wurde. Sie schützt Steuergeräte vor unbefugten Zugriffen und Veränderungen. Vorher genügten für viele Anpassungen 5-stellige Login-Codes, die zudem innerhalb einer Plattform oft identisch waren. Diese Methode gilt nicht mehr als Stand der Technik, gerade bei Fahrzeugen, die dauerhaft online sind.
Vereinfacht gesagt ist SFD eine „Zugriffsberechtigung 2.0“: Statt eines statischen Verfahrens braucht jedes geschützte Steuergerät ein eigenes, steuergerätespezifisches Token mit Zeitstempel und Signatur, das vom Hersteller-Backend ausgestellt wird.
Was SFD sperrt und was nicht:
- Gesperrt: schreibende Zugriffe wie Codierungen, Anpassungen, Grundeinstellungen und Änderungen am Verbaukoppler.
- Frei: Steuergeräte lesen, Fehlerspeicher abfragen und Messwerte auslesen.
Ein Autoscan und die Fehlersuche funktionieren also auch an SFD-Fahrzeugen ohne Freischaltung.
SFD und SFD2: zwei verschiedene Dinge
Trotz des ähnlichen Namens arbeiten SFD und SFD2 grundlegend unterschiedlich. Beide können parallel im selben Steuergerät aktiv sein.
| SFD | SFD2 | |
|---|---|---|
| Ebene | Ganzes Steuergerät | Einzelne Diagnose-IDs (DID) |
| Prinzip | Steuergerät wird per Token zeitweise geöffnet | Der geänderte Wert selbst wird mit Prüfsumme und Signatur Ende-zu-Ende abgesichert eingespielt |
| Typische Wirkung | Schutz einfacher Arbeiten wie Servicearbeiten | Schützt u. a. die komplette Codierung, Datensätze und einige Anpassungen |
| Start | Ende 2019 (Golf 8) | Einzelne Modelle ab Ende 2023, verpflichtend ab Modelljahr 2025 |
Bei SFD2 reicht es nicht, das Steuergerät zu „öffnen“. Jede Änderung muss zur Fahrzeugkonfiguration passen und vom Hersteller signiert sein. Auch nach erfolgreicher Entriegelung erlaubt der Herstellerserver vorrangig werksseitig freigegebene Wartungs- und Servicearbeiten wie Bremsenwartung, Service-Reset oder DPF-Regeneration. Nicht vorgesehene Nachrüstungen oder tiefe Systemänderungen bleiben gesperrt.
Was UNECE R155 und R156 damit zu tun haben
UNECE ist ein internationaler Rahmen, in dem einheitliche Fahrzeugregelungen beschlossen werden. Für die Diagnose sind zwei davon wichtig: R155 zur Cybersicherheit und R156 zu Software-Updates. Sie regeln weniger das einzelne Produkt als die Prozesse beim Hersteller: kontinuierliche Analysen und Überwachung, damit Sicherheitslücken schnell erkannt und geschlossen werden.
- Beschlossen wurden die Regelungen am 24.06.2020.
- Seit Juli 2022 gelten sie für neu zugelassene Baureihen bei Pkw, Kleintransportern, Lkw und Bussen.
- Seit 01.07.2024 gelten sie für alle ab diesem Zeitpunkt hergestellten Neufahrzeuge, auch für bestehende Modelle.
SFD2 ist die technische Antwort des Konzerns auf diese Anforderungen. Ein Fahrzeug kann allerdings auch SFD2 ohne die volle UNECE-Verbundsteuerung nutzen, das zeigen die PR-Codes in der Ausstattungsliste.
Woran Sie SFD und SFD2 erkennen
Am einfachsten im Autoscan: Steht in der Zeile VCID eines Steuergeräts der Zusatz „SFD“, ist es geschützt, das kann SFD oder SFD2 sein. Taucht in der Zeile ROD der Begriff „UNECE“ auf, nutzt das Steuergerät bereits SFD2. Zusätzlich verrät die Ausstattungsliste den Stand:
| PR-Code | Bedeutung | Stufe |
|---|---|---|
| NI0 | ohne UNECE CS & SU | SFD |
| NI1 | mit UNECE CS & SU | SFD2 |
| NI7 | mit UNECE CS (R155), ohne SU (R156) | SFD2 |
| NI8 | ohne UNECE CS und SU, mit SFD2-Steuergerät | SFD2 |
| NI9 | mit UNECE CS & SU für Länder ohne UNECE-Anforderungen | SFD2 |
Typische SFD-Fahrzeuge sind unter anderem Golf 8, Audi A3 8Y, Seat Leon, Cupra Formentor, Skoda Octavia 4 sowie die MEB-Modelle wie ID.3, ID.4 und Enyaq. SFD2 betrifft unter anderem Passat B9, Tiguan der neuen Generation, Golf 8.5 sowie zahlreiche Audi-, Skoda-, Seat- und Cupra-Modelle ab Modelljahr 2024 oder 2025. Die laufend gepflegte Fahrzeugliste finden Sie im VCDS.de-Wiki.
SFD mit VCDS freischalten: Voraussetzungen
Mit einem SFD-Abonnement fordert VCDS das nötige Token bei bestehender Internetverbindung automatisch im Hintergrund beim Hersteller an, eine manuelle Token-Eingabe entfällt. Ein entsperrtes Steuergerät bleibt danach 90 Minuten für schreibende Zugriffe offen, bei den meisten Fahrzeugen läuft diese Zeit nur bei eingeschalteter Zündung. Anschließend sperrt es sich automatisch wieder. Voraussetzungen sind:
- ein Original-HEX-V2 oder -HEX-NET, ältere Interfaces sind nicht SFD-fähig,
- eine Registrierung des Interfaces bei Ross-Tech auf eine natürliche Person, nicht auf eine Firma,
- ein verifiziertes SFD-Servicekonto mit gültigem Lichtbildausweis, dessen Daten mit der Registrierung übereinstimmen,
- die aktuelle VCDS-Version und Firmware sowie eine aktive Internetverbindung.
Damit jeder Eingriff einer Person zugeordnet werden kann, werden Name, Anschrift, E-Mail und Zeitpunkt jeder Anfrage gespeichert. Gegen Missbrauch gelten außerdem Grenzen pro Konto, etwa höchstens 20 verschiedene FIN pro Tag. Wer ein Interface mit unbegrenzter FIN-Lizenz besitzt, erhält ein Jahr SFD kostenlos.
Alle Details zum Ablauf finden Sie auf unserer Infoseite zur SFD-Freischaltung, die passende SFD-Lizenz für HEX-V2 und HEX-NET im Shop und die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einrichten von SFD im Support-Bereich. Wer das Thema gründlich verstehen möchte, besucht unsere Online-Schulung zu SFD, SFD2 und UNECE.
Hilfe und weiterlesen
Bei Fragen zu Ihrem Fahrzeug posten Sie am besten einen Autoscan in der VCDS-Community auf Discord. So lässt sich schnell erkennen, welche Steuergeräte geschützt sind.
Quellen: